Mitteilungen des Referats für die
Kulturgüter der Orden - MiRKO

Neuzugang bei den Inkunabeln und Alten Drucken im Stift Heiligenkreuz: Missale Augustense aus dem 16. Jahrhundert

Pfarrer i. R. Willi Heinrich Knapp schenkte dem Stift Heiligenkreuz einen Druck aus dem Jahr 1555. Für Heiligenkreuzer Sammlung „Inkunabeln und Alte Drucke“ stellte Werk der Druckerei Sebald Mayer in Dillingen eine wertvolle Bereicherung dar. Die Holzschnitten stammen von Matthias Gerung. Pfarrer Knapp wurde wurde 1964 im Dom zu Mainz zum Priester geweiht und war in verschiedenen Pfarren tätig. Ab 1994 war er Landespolizeidekan in Hessen. 1980 erwarb er in einem Antiquariat dieses Messbuch.

Das Messbuch entstand im Auftrag des Augsburger Bischofs Otto Kardinal Truchseß von Waldburg zur Zeit der katholischen Reform in Deutschland.

Die Druckerei Sebald Mayer war bekannt für die hohe Qualität: besonders hervorgehoben werden bei den Arbeiten dieser Druckerei die geschmackvolle Gestaltung, die übersichtliche Gliederung und der saubere und klare Druck. Das Missale aus 1555 ist drucktechnisch eine der bedeutendsten  Arbeiten der Druckerei Mayer, auch in künstlerischer Hinsicht wertvoll durch die Holzschnitte von Matthias Gerung.

Eine Besonderheit des Exemplars, das sich nun im Stift Heiligenkreuz befindet, ist eine Widmung am Innendeckspiegel mit den Wappen des Caspar von Berndorff zu Pähl und Steinbach (zwei schreitende Bären auf Goldgrund und zwei  Zangen auf rotem Grund) und seiner Ehefrau Anna von Berndorf, geborene Anna von Gumppenberg (Schrägbalken in Silber auf rotem Grund verziert mit grünen Seeblättern).

Das von einem illusionistischen Rahmen umgebene Blatt zeigt unter der Jahreszahl 1591 zwei große farbige Wappen. Links steht das Wappen des Caspar von Berndorff zu Pähl und Steinbach, rechts das Wappen seiner Ehefrau Anna von Berndorf, geborene Anna von Gumppenberg. Beide Wappen finden sich auch auf der  Grabplatte der Ehegatten in der Pfarrkirche St. Laurentius in Pähl (Oberbayern). Der 1589 gestorbene Caspar von Berndorff war Kammermeister am Münchner Hof.

Die Widmung im Heiligenkreuzer Missale gibt nun Auskunft über das weitere Leben der Anna von Berndorf. Zwei Jahre nach dem Tod Ihres Ehemanns wohnte die Witwe „im fürstlichen panmarkht zu Diessen“ (Dießen am Ammersee in Oberbayern). Dort vermachte sie am 25. April 1591 das Missale dem „gotzhaus zum gotsakher“ (wohl die Friedhofskirche St. Johann). In der stark fehlerhaften Grabinschrift in Pähl wird Annas Sterbejahr mit 1692, wahrscheinlich richtig 1592, angegeben. Ihr Sterbeort wird mit dem in der Edition der Inschriften der Pfarrkirche Pähl nicht lokalisierten „Bairdtisten(n)“ ausgewiesen. Dabei könnte es sich um eine verballhornte Form von „Bayerdießen“ handeln, einer alten Bezeichnung für Dießen am Ammersee.

Eigenartiger Weise fehlt in dem Messbuch der Text des Kanons. Jedenfalls ist es eine Bereicherung für die Sammlung historischer Messbücher in Stift Heiligenkreuz, in der es sich sonst zumeist um Ausgaben des Missale Cisterciense oder um römische Messbücher handelt.

Außerdem ist das Messbuch durch die Informationen im Widmungstext eine Quelle für die bayrische Landesgeschichte.

Gedruckter Artikel
Moses Hamm, Ein Augsburger Messbuch von 1555, in: Sancta Crux 77 (2016) 72-76.

Edition der Grabinschrift:

Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau. Gesammelt und bearbeitet von Manfred Merk (Die Deutschen Inschriften Bd. 84, Wiesbaden 2012) Nr. 194. Dort findet sich auch weiterführende Literatur zu den Personen.

Bibliotheksnachweise

Beitrag von P. Roman Nägele, Stift Heiligenkreuz

MiRKO 2/2017 erschienen

Der zweite Jahrgang der „Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden (MiRKO)“ ist soeben erschienen! Auch im zweiten Jahr seines Erscheinens bietet MiRKO eine inhaltliche Bandbreite, die von verschiedenen Beiträgen zur Kulturgüterpflege hin zu ordenshistorischen Forschungen reicht. Bei den allermeisten Beiträgen handelt es sich um Verschriftlichungen von Vorträgen, die in unterschiedlichem Ausmaß bearbeitet worden sind. Drei der Beiträge (P. Franz Helm, Wolfgang Reinhard, Ute Küppers-Braun) geben Vorträge wieder, die beim letztjährigen Kulturtag der Orden gehalten wurden, welcher unter dem Motto „Geschichte, die bewegt. Mission und Reformation“ stand. Vier weitere Beiträge (Ulrich Helbach, Eva Pfanzelter, Martin Kapferer, Miriam Trojer) gehen auf Vorträge auf der diesjährigen gemeinsamen Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Diözesanarchive und der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive zurück. Dass das Vortragsangebot auch abseits dieser beiden großen Veranstaltungen im Frühjahr und im Spätherbst reichhaltig ist, bezeugen die sehr unterschiedlichen Beiträge von Barbara Lawatsch Melton, Gerald Hirtner, Maximilian Alexander Trofaier und Reinhard Ehgartner. Ein Beitrag (P. FrankBayard/Dennis Wegener) wurde von den Autoren selbst an MiRKO herangetragen – ein Beispiel, das Schule machen möge! Ordensleute und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kulturbereich sind herzlich eingeladen, Beiträge über die Geschichte und das kulturelle Erbe ihrer Gemeinschaft an die Redaktion, bestehend aus Gerald Hirtner (Erzabtei St. Peter), Helga Penz, Irene Rabl (Stift Lilienfeld) und Maximilian Alexander Trofaier (Schottenabtei), zur Veröffentlichung in MiRKO einzusenden.

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