Mitteilungen des Referats für die
Kulturgüter der Orden - MiRKO

Wirtschaftsgeschichte im Stiftsarchiv am Beispiel von St. Peter.

Gerald Hirtner (Archiv der Erzabtei St. Peter)

Vortrag am 27. Juni 2016 im Salzburger Landesarchiv im Rahmen des Chronistenseminars „Aspekte der Salzburger Wirtschaftsgeschichte. Quellen – Themen – Entwicklungen“, veranstaltet vom Salzburger Bildungswerk im Zusammenarbeit mit dem Salzburger Landesarchiv (überarbeitete Version vom August 2017).

Der vorliegende Beitrag schließt an den 2016 erschienen Beitrag „Klostergrundherrschaften am Beispiel der Abtei St. Peter“[1] an und bringt eine weitere Facette von Stiftsarchiven ins Gespräch. Die archivarische Tätigkeit beinhaltet genügend Anlässe, um sich mit wirtschaftsgeschichtlichen Fragestellungen zu beschäftigen. Daraus resultiert der folgende quellenkundlich orientierte Praxisbericht, dessen Aussagen sich zum Teil auch auf andere Stiftsarchive von benediktinischen Gemeinschaften und Regularkanonikern übertragen lassen. Bettelorden wie Franziskaner und Kapuziner, Säkularinstitute und Kongregationen haben ihre eigenen Ordens- und Archivstrukturen und werden hier nicht behandelt, obwohl es in manchen Bereichen Parallelen gibt.

1. Kloster und Wirtschaft

Das benediktinische Kloster versteht sich seit Langem als Träger von Wirtschaftsbetrieben, die Teil seines Einkommens und seiner Identität sind. Das wirtschaftliche Selbstverständnis wird beispielsweise auf der Homepage der Erzabtei St. Peter in Salzburg dargelegt, auf der die Wirtschaftsbetriebe einen wichtigen Platz einnehmen: „Der benediktinischen Tradition entsprechend ist die Erzabtei St. Peter auch Träger von Wirtschaftsbetrieben. Durch nachhaltiges Wirtschaften sorgt das Kloster nicht nur aus eigener Kraft für den Lebensunterhalt der Mönche, es schafft auch Arbeitsplätze und die finanzielle Basis für die seelsorglichen, sozialen und kulturellen Aufgaben. Dann sind sie wirklich Mönche, wenn sie von der Arbeit ihrer Hände leben, wie unsere Väter und die Apostel. (Regel des heiligen Benedikt, Kapitel 48,8)“[2]

In der zitierten Stelle aus der Benediktsregel wird die hohe Wertschätzung betont, die der hl. Benedikt der menschlichen Arbeit entgegenbringt. Der Verfasser hat sich auch an anderen Stellen seiner Regel zum Verhältnis von Mensch und Arbeit geäußert: „Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeit mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein“[3]. Dies hat konkrete Auswirkungen auf die Architektur von Klöstern: „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, daß sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können“[4].

Von seiner Konzeption her ist das benediktinische Kloster ein vollendeter und in doppeltem Sinne abgeschlossener Ort von Produktion und Konsum[5]. Deutlich wird dies am berühmten St. Galler Klosterplan, einem idealtypischen Grundriss eines Klosters aus karolingischer Zeit. Rund um das Zentrum, die Kirche, sind alle Produktions- und Konsumorte gruppiert. Arbeit dient im benediktinischen Umfeld einerseits der Selbsterhaltung, andererseits dem Zeitvertreib. In der benediktinischen Tradition ist Arbeit der zweite von drei Pfeilern der monastischen Tagesgestaltung: Ora et labora et lege (bete, arbeite und lies).

Ein Kloster ist in sozialer wie in wirtschaftlicher Hinsicht ein stabiles und einigermaßen abgeschlossenes Gebilde. Die weitgehend „autarke ökonomische Basis“ ist auch noch im 20. Jahrhundert vorhanden, wie Ernst Hanisch in einer Untersuchung über das Kloster St. Peter in der Zwischenkriegszeit festgestellt hat:

„Das Kloster besaß seine eigenen Weingärten in Krems, ein Fischwasser in Abtenau; täglich wurde vom Petersbrunnhof frische Milch ins Kloster gebracht; eine eigene Stiftsmühle mahlte das Getreide; eine Bäckerei buck Brot; im Aiglhof wurde Gemüse angebaut; eine Schneiderei, eine Tischlerei, eine Buchbinderei besorgten die handwerklichen Arbeiten: sei’s auch nur, daß die Zimmerleute eine Kegelbahn für den Konvent bauten. Die 15–20 Patres, die 30–40 Laienbrüder, die ständig im Kloster lebten, konnten relativ unabhängig von den ökonomischen Krisen versorgt werden. Wer ins Kloster eintrat, entfloh der Welt auch mit ihren Versorgungsproblemen, ihren unsicheren ökonomischen Lebenschancen. Gewiß, auch St. Peter war in die kapitalistischen Marktbeziehungen eingeflochten: durch den Verkauf von Holz, Vieh, Mehl, Kunstgegenständen usw., aber letztlich bestimmten den Klosteralltag noch zahlreiche vorkapitalistische ökonomische Relationen. Die geschlossene Struktur des Klosters als einer uralten festgefügten Gemeinschaft wurde von relativ stabilen sozialen Beziehungen und von relativ stabilen sozialen Rollen gelenkt. Die longue durée einer alten Kultur – die der alteuropäischen Agrargesellschaft – wurde vom sozialen Wandel nur an der Oberfläche berührt“ [6].

Warum sollte sich die Wirtschaftsgeschichte mit einem Themenbereich beschäftigen, der von Marktbeziehungen und Monetarisierung im Kern so wenig betroffen ist wie ein Kloster? Warum ist das Thema Kloster auch auf landesgeschichtlicher Ebene von Interesse?

Meiner Einschätzung nach ist es zum einen die schon angesprochene lange Dauer (longue durée) der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, die sich deutlich auf die Quellenlage auswirkt. Das Kloster St. Peter ist eine fixe „Messstation“ für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Salzburg und benachbarter Gebiete. Im Überblick über die Quellenüberlieferung bis in das beginnende 19. Jahrhundert lässt sich feststellen, dass im klösterlichen Umfeld bemerkenswerte historische Längsschnitte möglich sind.

Zum anderen sind es Projekte des Klosters, die in den vergangenen Jahrzehnten realisiert wurden und die aufzeigen, wie stark ein Kloster doch letztlich mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung verbunden ist. Die Weltwirtschaftskrise der 1920/30er Jahre ist bis in die Schatzkammern des Klosters vorgedrungen: Verkäufe von Unikaten sind heute nicht mehr rückgängig zu machen[7]. Die Verschiebung von der agrarischen Wirtschaft zur dienstleistungsorientierten Wirtschaft ist auch am Kloster St. Peter nicht spurlos vorübergegangen.

2. Quellen des Mittelalters und der Frühneuzeit

Im Kloster St. Peter sind bereits sehr früh Rechnungsbücher seriell überliefert. Das heißt, dass diese Quellengattung bereits seit dem Mittelalter ohne größere Lücken im Original vorhanden ist. St. Peter verfügt über eine vergleichsweise sehr frühe und ganz exzellente Überlieferung an Jahresrechnungen. Das älteste Abteirechnungsregister stammt aus dem Jahr 1306. In einem Register aus dem Jahr 1522 finden sich schon vordefinierte Ausgabenrubriken – heute würde man von Kostenstellen sprechen: Allgemeine Ausgaben (1), Kleider und Hausbedarf (2), Bauausgaben (3), Rentenkauf (4), Kunstschätze und Bilder (5), Bibliothek und Schreibstube (6), Medizin (7), Ausgaben für die geistlichen Schwestern (8),Trinkgelder und Armenfürsorge (9).

Abb. 1: Liste der Ausgabenrubriken im Abteirechnungsbuch von 1522 (ASP, Hs. A 628, fol. 35).

Das Inhaltsverzeichnis eines klösterlichen Rechnungsbuches spiegelt den Aufgabenhorizont der Institution wider. Die Ausgaben sind darin wie in einem Journal verzeichnet. Für die Verschriftlichung gibt es eine Grundlage in der Benediktsregel, wo es in Kapitel 32 heißt: „Den Besitz des Kloster, nämlich Werkzeug, Kleidung und alle anderen Dinge, vertraue der Abt Brüdern an, auf deren Lebensweise und Charakter er sich verlassen kann. […] Der Abt führe ein Verzeichnis all dieser Dinge. So weiß er, was er gibt und was er zurückerhält, wenn die Brüder einander in den zugewiesenen Aufgaben ablösen“[8]. Diesen dezidierten Auftrag zur Verschriftlichung gibt es daneben nur für das Ablegen der Profess: „Über sein Versprechen verfasse er [der Novize] eine Urkunde auf den Namen der Heiligen, deren Reliquien dort [beim Altar] sind, und des anwesenden Abtes. […] Seine Urkunde aber, die der Abt vom Altar genommen hat, soll er nicht zurückbekommen, sondern sie werde im Kloster zurückbehalten“[9]. Die frühe Verschriftlichung hat einen weiteren praktischen Grund: Die weit verstreuten Besitzungen eines Klosters machen es erforderlich, dass zumindest virtuell, in der „Zentrale“, alles zusammengeführt wird und ein Überblick vorhanden ist.

Ein Kloster ist eine nach Aufgaben stark ausdifferenzierte Institution. Jeder Aufgabe, die „Amt“ genannt wird, wohnt eine gewisse Eigenverantwortlichkeit inne. Dazu gehört auch die Verantwortlichkeit über die zugeteilten Mittel zur Durchführung der zugedachten Aufgaben. Aufgrund des Armutsgelübdes haben die Mönche aber keinen persönlichen Besitz.

Bereits seit dem Mittelalter sind im Archiv der Erzabtei St. Peter Teilrechnungsbücher folgender wirtschaftskompetenter Stellen vorhanden: Abtei (ab 1306), Kanzlei (1351), Kustorei (ab 1354), Küche (ab 1365), Weingarten Krems/Arnsdorf (ab 1366), Hof in Linz (ab 1442), Weingarten Dornbach (ab 1473). Bücher der für die Grundherrschaftsverwaltung zuständigen Urbarämter sind hier auch hinzuzurechnen.

Im Laufe der Frühen Neuzeit kamen noch folgende Bereiche hinzu: Hauptrechnungen (darin gehen die Abteirechnungen 1811 auf), Priorat, Stiftskeller, Kasten[10], Pfisterei (Schwarzbäckerei), Meierhof, Hauszinsgelder, Konvent, Bruderschaftsrechnungen[11], Almrechnungen (Almkanal) und Kirchenrechnungen der inkorporierten Pfarren.

Abteirechnungsbücher stellen die wichtigste klösterliche Rechnungsquelle dar. Deren mittelalterliche Ausgabenrubriken wurden in der Barockzeit noch etwas feiner differenziert. Bis in das frühe 17. Jahrhundert sind mehrere Rechnungsjahrgänge zusammengefasst. Ab den 1630er Jahren setzen jahrgangsweise Rechnungsbände mit alphabetisch gereihten Einnahmen-/Ausgabenrubriken ein, die im Wesentlichen den einzelnen Debitoren bzw. Kreditoren, also den Einnahmequellen und Ausgabenempfängern, entsprechen. Aus den Mitteln der Abtei wurden Ausgaben für Lebensmittel und Getränke, Baumaterialien, Handwerksarbeiten und Dienstleistungen bestritten. Abt Beda Seeauer führte Mitte des 18. Jahrhunderts eine Neustrukturierung durch, in der die vielen alphabetischen Kategorien organisch zusammengefasst und übersichtlicher gestaltet wurden[12]. Diese Rechnungsstruktur hatte bis zur Einführung der Hauptrechnungen 1811 Bestand.

Bislang war von Einnahmen-/Ausgabenrechnungen die Rede. Originale Rechnungsbelege sind hingegen selten, am ehesten noch im Kontext von Sachakten erhalten. Gerade Rechnungsbelege sind für spezielle historische Fragestellungen von großem Wert. Einige wissenschaftliche Disziplinen wie die Medizingeschichte oder Musik- und Kunstgeschichte haben die klösterlichen Rechnungsbücher längst für sich entdeckt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Amtsträger im Kloster St. Peter über die Jahrhunderte Einnahmen und Ausgaben aufgezeichnet haben, die fast alle Wirtschaftsbereiche betreffen: Land- und Forstwirtschaft, Montanwesen, Gastronomie und Handel, Handwerk und Kunst, Bildung und Kultus. Es gibt kaum einen Wirtschaftszweig, für den es im Kloster keine Daten gäbe. Diese für die Salzburger Wirtschaftsgeschichte wertvollen Informationen sind bislang nur in Teilen ausgewertet worden[13]. Am Beispiel der Einnahmenrubrik „Interessen“ kann etwa nachvollzogen werden, wie das Kloster als Geldgeber agierte. Vor einigen Jahren merkte Helga Penz an, dass eine „Gesamtdarstellung, wie sich die Äbte des 14., 15. oder 16. Jahrhundert als Finanziers gemacht haben“, noch ausstehe[14]. Daran hat sich trotz der hervorragenden Quellenlage nichts geändert.

3. Quellen nach 1816

Hinsichtlich der Quellenlage muss allerdings eine Einschränkung gemacht werden, die insbesondere die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und das frühe 20. Jahrhundert betrifft. Die Hauptrechnungen dieser Zeit sind hinsichtlich ihrer Qualität und ihres Umfang nicht mit den barocken Vorgängern zu vergleichen. Partikularrechnungen fehlen teilweise. Die entscheidende Zäsur war die Grundentlastung 1848 und die damit verbundene Umstellung der klösterlichen Wirtschaft. Die Buchführung scheint ab diesem Zeitpunkt weniger gewissenhaft durchgeführt worden zu sein und ziemlich sicher wurden Rechnungsunterlagen undokumentiert vernichtet. Die Karteibuchhaltung wurde in St. Peter 1929 eingeführt, denn ab diesem Jahr sind lose Kontoblätter in Aktenordnern statt gebundene Jahresrechnungen überliefert. Vorteile der Karteibuchhaltung sind die systematische Ordnung, die Flexibilität und die Möglichkeit der Arbeitsteilung. Stenografische Notizen erschweren teilweise die Auswertung dieser Quellen, da erfahrungsgemäß die wenigsten Benutzerinnen und Benutzer über ausreichend Kurzschriftkenntnisse verfügen.

Warum sollten sich Wirtschaftshistorikerinnen und -historiker für ein Kloster wie St. Peter im 19./20. Jahrhundert interessieren? Ist die Blütezeit der Klöster nicht im Mittelalter und in der Barockzeit zu suchen? Wer den Personalstand des Klosters St. Peter studiert, wird schnell eines Besseren belehrt. Die höchste Zahl an Professen (Priester und Laienbrüder zusammen) hatte das Kloster in den 1920er Jahren zu verzeichnen. Im Jahr 1931 erreichte das Kloster St. Peter mit 100 Professen seinen historischen Personalhöchststand seit Beginn der Aufzeichnungen. In diese Zahl sind die Arbeiter und Angestellten, die auch mitversorgt wurden, noch nicht mit eingerechnet. Um für so viele Personen aufkommen zu können, bedurfte und bedarf es entsprechender wirtschaftlicher Grundlagen.

Die wirtschaftlichen Möglichkeiten St. Peters traten besonders in der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg deutlich zu Tage. Es gilt zu zeigen, wie das Kloster auch in dieser Zeit in die Welt hineinwirkte und wie umgekehrt die Welt das Kloster beeinflusst hat: Unter dem von 1901 bis 1922 regierenden Abt Willibald Hauthaler zeichnete das Kloster St. Peter alle neun Kriegsanleihen. Alfred Höck hat in seiner akribischen Studie zu den Kriegsanleihen in Salzburg herausgearbeitet, dass St. Peter Anleihen in der beachtlichen Höhe von 3,437.000 Kronen zeichnete. Das entspricht rund 965.000 Kronen nach Kaufkraft vom Juli 1914[15]. Die Aufbringung dieser enormen Summe war nur möglich, weil St. Peter „einer der größten Großgrundbesitzer des Landes Salzburg“[16] war und einige seiner Realitäten mit Hypotheken belehnte. Die Bankschulden in der Höhe von 4 Mio. Gulden konnten durch Realitätenverkäufe (Kreuzhof), durch Aufnahme ausländischer Kredite (30.000 Dollar-Anleihe) und durch Hilfsgeldersammlungen im Ausland getilgt werden. Auch Entbehrung und Sparsamkeit trugen zur Sanierung bei. So soll der Fleischverbrauch von beachtlichen 30.000 kg im Jahr 1910 auf 13.000 kg im Jahr 1918 gesunken sein[17]. Plünderungen und Viehdiebstähle verminderten am Ende des Ersten Weltkrieges die Einnahmensituation des Klosters zusätzlich.

Abb. 2: Übersicht über die Bankschulden des Klosters St. Peter zur Zeit des 1. Weltkriegs, von Abt Willibald Hauthaler (ASP, Akt 958).

Und dennoch trat St. Peter als einer der größten Salzburger Bauherren der Zwischenkriegszeit in Erscheinung! Von 1924 bis 1926 wurde das Kolleg St. Benedikt errichtet, das dem heutigen Festspielbezirk benachbart ist. Die Erbauung des Kollegs St. Benedikt stand in Zusammenhang mit den Plänen zur Wiedererrichtung einer katholischen Universität in Salzburg. Im Jahr 1924 schlossen sich die deutschsprachigen Benediktinerkongregationen mit folgender Zielsetzung zu einer Konföderation zusammen: der Sicherung der bestehenden Theologischen Fakultät mit der Perspektive einer katholischen Volluniversität. Der Weg dorthin führte über den Bau eines Studienhauses für den Ordensnachwuchs. Die Gründung dieses Studienhauses erfolgte 1924 auf Wunsch von Papst Pius XI.[18].

Abb. 3: Ansicht des Kollegs St. Benedikt vor der Fertigstellung, 1926 (ASP, Foto B 640).

Der umfangreiche Bau erfolgte mit US-amerikanischen Krediten und ohne ausreichende rechtliche Absicherung auf letztlich alleiniges Risiko des Klosters St. Peter. Ernst Hanisch fasste die Situation wie folgt zusammen: „[…] die benediktinische Baulust konnte auch ein so stabiles sozioökonomisches Gebilde [wie das Kloster St. Peter] in eine schwere ökonomische Krise stürzen, die hart am Konkurs vorbeiführte. Dazu waren jedoch zwei Voraussetzungen notwendig: der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre einerseits und ein phantasievoller und kreativer, aber ökonomisch sorgloser und leichtgläubiger Abt, wie Petrus Klotz, andererseits“[19].

Möglicherweise hat St. Peter in der Zwischenkriegszeit eigenes Notgeld ausgegeben, ein Ausgabebeleg ist allerdings nicht bekannt[20]. Zeitgeschichtlich relevant ist auch die Frage der Restitutionen. Nach der Aufhebung und Enteignung des Klosters 1941 bzw. 1942 wurden die Klostergebäude und die Salzburger Besitzungen vom Reichsgau Salzburg verwaltet. Nach Kriegsende bemühte sich insbesondere Kämmerer P. Wolfgang Schmidhuber intensiv um den Rückerhalt der enteigneten Immobilien. Ein Schlusspunkt konnte 1970 mit dem Auszug des Salzburger Landesarchivs aus St. Peter und der Übersiedlung an den heutigen Standort in der Michael-Pacher-Straße gesetzt werden.

St. Peter ist im 20. Jahrhundert den Weg von der agrarischen Wirtschaft zur dienstleistungs­orientierten Wirtschaft teilweise mitgegangen. So ist man heute nicht mehr von Landwirtschaft und Forst abhängig, auch wenn dies nach wie vor zwei wichtige Wirtschaftsbereiche sind. Der Großteil der Einnahmen wird mit Immobilienvermietung erzielt. Ab den 1950er Jahren hat St. Peter in den Bau eigener Wohnanlagen in der Stadt Salzburg investiert. Heute leben bzw. arbeiten in St. Peter 21 Mönche und rund 80 Mitarbeiter.

Eine wirtschaftsgeschichtliche Gesamtdarstellung des Klosters St. Peter im 19. und 20. Jahrhundert ist ein Desiderat. Dies gilt auch für die meisten anderen Klöster in Österreich.

4. Benützung und Ausblick

Die meisten Rechnungsbücher sind ohne größere Lücken erhalten und auch benützbar. Es gibt aber einzelne Handschriften, die nicht, oder nur eingeschränkt, zur Benützung ausgegeben werden können. Ältere Wasserschäden haben einzelne Rechnungsbücher in Mitleidenschaft gezogen, denn als serielle Quellen wurden gewisse Rechnungsbücher leider nicht bevorzugt behandelt. St. Peter bemüht sich seit Jahren um eine restauratorische Sicherung der dringendsten Fälle. Manchmal ist die Art der Bindung Grund für eine eingeschränkte Benutzung. Einige spätmittelalterliche Rechnungsbücher bestehen aus unzähligen Lagen, die bis an den Falz beschrieben sind. Manche Buchrücken können über 20 Zentimeter breit sein[21]. Der maximale Öffnungswinkel ist in diesen Fällen kleiner als 90 Grad, was sowohl eine fachgerechte Digitalisierung als auch eine bequeme und schonende Benützung verhindert. Hier gilt es die konservatorischen Erfordernisse und den zu erwartenden Nutzen einer Benützung gegeneinander abzuwägen.