Mitteilungen des Referats für die
Kulturgüter der Orden - MiRKO

Kleiner Sensations(wieder)fund eines Theuerdank-Drucks im Deutschordens-Zentralarchiv

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Kleiner Sensations(wieder)fund eines Theuerdank-Drucks im Deutschordens-Zentralarchiv

P. Frank Bayard OT / Dennis Wegener

Im Jahre 1905 erschien im Feuilleton der Wiener Zeitung ein längerer Artikel von Dr. Karl Fuchs[1] über die Übersiedlung und damit einhergehende Neuaufstellung des Zentralarchivs des Deutschen Ordens in Wien und seiner Pretiosen. In diesem Artikel wurde für die dem Archiv angegliederte Bibliothek auch ein erster Druck des „Theuerdank“ aus dem Jahre 1517, schön gebunden und tadellos erhalten[2], besonders hervorgehoben.

Abb.1: DOZA, Theuerdank, Abb. 115, S.541

Bei dem Theuerdank handelt es sich um eines der außergewöhnlichsten Werke der frühen Druckzeit. Kaiser Maximilian I., der dem neuen Medium Buchdruck äußerst aufgeschlossen gegenüberstand, ließ im Rahmen seines Gedechtnus-Projekts[3], zu dem u.a. der Weißkunig, der Freydal, die Ehrenpforte und der Triumphzug gehört, den Theuerdank schreiben und drucken. Dabei mussten die verschiedenen Redakteure und Künstler der Holzschnitte dem Kaiser den Fortschritt ihrer Arbeiten wiederholt vorlegen, sodass Maximilian direkt am Entstehungsprozess beteiligt war, in den er auch nachweislich eingriff und Korrekturen vornahm. Inhaltlich behandelt der Druck die Brautwerbungsfahrt des Ritters Theuerdank zu seiner zukünftigen Gemahlin Königin Ehrenreich, die ihrerseits Theuerdank nach dem Tod ihres Vaters Romreich in ihr Reich gebeten hat. Während dieser Reise zu Ehrenreich versuchen drei verschwörerische Hauptleute Ehrenreichs, Fürwittig, Unfallo und Neidelhart, Theuerdank an der Einreise in das Königreich Ehrenreichs zu hindern, da sie mit der Ankunft Theuerdanks einen Machtverlust fürchten. Dabei geben sie sich Theuerdank zunächst als Hauptleute Ehrenreichs zu erkennen, um ihn im Anschluss durch Täuschung in tödliche Gefahren zu locken. Theuerdank meistert jedoch alle Gefahren und durchschaut schlussendlich auch die Hinterhältigkeit der Hauptleute, sodass diese fliehen müssen. Angekommen am Hofe Ehrenreichs gelingt es den Hauptleuten und ihren Verbündeten, Theuerdank in sechs gefährliche Turnierkämpfe zu führen, in denen Theuerdank abermals das Feld als Sieger verlässt. Im Anschluss erhält Theuerdank zum Zeichen seines Sieges von Ehrenreich die Lorbeerkrone und der Theuerdank begleitende Ehrenhold klagt die Hauptleute bei Ehrenreich an. In einer Gerichtsverhandlung werden diese schließlich zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ehrenreich, die Theuerdank auch zur Abwehr der äußeren Feinde herbeigerufen hat, ist von seiner Tatkraft überzeugt, sodass einer Heirat nichts mehr im Wege steht. Ehrenreich knüpft jedoch eine Bedingung an den Vollzug der Ehe. Theuerdank, der alle weltliche Ehre errungen hat, soll auch die göttliche Ehre gewinnen und gegen die in das Reich Ehrenreichs einfallenden Ungläubigen ins Feld ziehen. Nach kurzer Bedenkzeit und der Erscheinung eines Engels mit demselben Auftrag rüstet sich Theuerdank zum Kreuzzug. Dieses vorletzte 117. Kapitel ist jedoch nicht ausgeführt worden und zeigt dem Rezipienten lediglich einen Holzschnitt, auf dem Theuerdank an der Spitze eines Heeres als St. Georgs-Ritter gekleidet ist. Danach schließt das letzte 118. Kapitel mit einem Lob auf Theuerdank das Werk ab. Dass es sich bei diesem Werk um den ersten Schlüsselroman in deutscher Sprache handelt, belegt die nachfolgende Clavis, die den Ritter Theuerdank als K.M.E.Z.O.V.B. ausweist, was nichts Geringeres als „Kaiser Maximilian Erzherzog zu Oesterreich vnd Burgund“ bedeutet. Auch die anderen namentlich genannten Figuren werden nach gleicher Vorgehensweise entschlüsselt. Bei Ehrenreich handelt es sich um Maximilians zukünftige Frau Maria von Burgund und bei ihren Vater, König Romreich, um Herzog Karl den Kühnen. Die drei Hauptleute stehen zum einen für die drei Lebensalter, jüngeres, mittleres und spätes Alter, in denen Maximilian die unterschiedlichsten Gefahren meistern musste, aber ebenso auch für die ständische Opposition, der sich Maximilian bei seiner Ankunft und nach der Hochzeit mit Maria von Burgund stellen musste. Auch die Gefahren selbst werden in der Clavis verortet und es ist durchaus plausibel und bei einigen Gefahren sogar zu belegen, dass sie Maximilian im Laufe seines Lebens zugestoßen sind.

Abb.2: DOZA, Theuerdank, Titel

Maximilian, dem sein Nachruhm äußerst wichtig war[4], zog für die Arbeiten an seinem Ruhmeswerk nur die bedeutendsten Künstler wie Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmaier, Leonhard Beck, Hans Schäufelein und viele weitere heran, wobei die drei Letzteren für den Großteil der Holzschnitte im Theuerdank verantwortlich waren. Darüber hinaus ließ Maximilian eine geheime Drucktype herstellen, die sich sowohl an der Kanzleischrift seines Hofes als auch an seinen eigenen Lehrbüchern orientierte und die nur für den Druck seiner Ruhmeswerke verwendet werden sollte. Durch diese Theuerdank-Type erweckte der Druck, bei jedem dem die Kanzleischrift Maximilians vertraut war, den Eindruck eines handgeschriebenen Werkes aus dem Umfeld Maximilians[5].

Leider war das Buch im heutigen elektronischen Verzeichnis ebenso wenig zu finden, wie in dem, in den 1960er Jahren erstellten Findbehelf „Handschriften“ und auch die bereits davor verwendeten Karteikarten gaben keinen wirklichen Hinweis außer einem etwas lapidares Begriff „Bibliotheksexemplar“ preis. Nachdem es sich nur um eine Randnotiz im Rahmen eines völlig anderen Themas handelte, wurde die Suche, in der Annahme das Werk sei vielleicht unter einem anderen Namen verzeichnet, nicht weiter fortgesetzt. Einmal mehr kam aber der Zufall, oder der Theologe würde eher von Fügung sprechen, zu Hilfe. Bei Aufräumarbeiten in einem Schrank mit alten, seit Jahrzehnten nicht mehr gebräuchlichen und nie verwendeten Findbehelfen, fiel dem Archivar ein schwerer Kartonschuber in die Hände mit der Aufschrift „Theuerdank“. In diesem unter verstaubten, alten Repertorien und Archivalienauflistungen verborgenen, seit Jahrzehnten vergessenen Karton fand sich tatsächlich besagtes Exemplar, das bei Fuchs vor 112 Jahren solch eine Begeisterung auslöste. Der Theuerdank schien jedenfalls nicht in die moderne Bibliothek der Nachkriegszeit Eingang gefunden zu haben, da seine Signatur nicht zur Bibliothek passte und es dafür auch keine Leerstelle im Verzeichnis gab. Auch wenn der wohl aus dem 19. Jahrhundert stammende prächtige Ledereinband mit wunderbarer Goldprägung zunächst ein wenig irritierend war, besteht doch kein Zweifel daran, dass es sich um eines der Pergamentdruckoriginale handelt.

Abb.3: DOZA, Theuerdank, S. 25

Alleine der Tatbestand, dass hier ein Pergamentdruck des Theuerdank vorliegt, beweist, dass dieser Theuerdank 1517 gedruckt wurde, denn weitere Theuerdank-Drucke auf Pergament erschienen nach 1517 nicht mehr[6]. Laut der dem eigentlichen Text vorangestellten Dedikation an Karl V. erfolgte der Druck des Theuerdank am 1. März 1517[7]. Das Kolophon am Ende des Textes weist auf fol. 289v Nürnberg als Druckort und Johann Schönsperger den Älteren als Drucker aus. Man kann jedoch mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass der Druck nicht in Nürnberg, sondern in Augsburg erfolgte, denn Schönsperger besaß lediglich in Augsburg eine Offizin und nicht in Nürnberg. Auch alle weiteren handwerklichen Arbeiten über die Ausführung der Holzschnitte bis hin zur Herstellung der Drucktype fanden in Augsburg statt. Bei der Druckangabe Nürnberg handelt es sich wahrscheinlich um eine Ehrbezeugung gegenüber dem in Nürnberg geborenen Endredakteur des Theuerdank, Melchior Pfintzing, der sich in der Dedikation an Karl V. als Verfasser des Theuerdank nennt und zugleich seit 1512 Probst von St. Sebald in Nürnberg war. Bereits kurz nach dem Tod Maximilians I. änderte Schönsperger für seinen Raubdruck des Theuerdank aus dem Jahre 1519 die Ortsangabe von Nürnberg zu Augsburg. Mit diesem Raubdruck kam Schönsperger dem Vorhaben Maximilians, den Theuerdank nach seinem Tod an ausgewählte Personen aus dem Umfeld des Hofes und darüber hinaus zu verteilen, zuvor. Dies hatte zur Folge, dass die Drucke des Jahres 1517, abgesehen von wenigen Ausnahmen, erst 1526 auf Anweisung Erzherzogs Ferdinands I. von Augsburg nach Wien transportiert und anschließend in den österreichischen Landen verteilt wurden[8]. Zu dieser Tranche muss auch der Theuerdank des Jahres 1517 gehört haben, der sich heute im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien befindet. Denn dieser Druck besitzt alle 13 gedruckten Korrekturzettel, die zwischen Juli 1518 und Januar 1519 nach einer handschriftlichen Vorlage nachträglich in der Theuerdank-Type gedruckt und eingeklebt wurden[9]. Theuerdank-Drucke ohne diese Korrekturzettel bzw. deren Klebereste sind sehr wahrscheinlich bereits zwischen März und Juli 1517 verteilt worden, wobei hier bisher nur eine Handvoll Drucke bekannt ist, die sich dieses Schicksal teilen. Auch ist es äußerst selten[10], dass sich alle 13 gedruckten Korrekturzettel unversehrt in einem Druck finden, da die Neugier vorheriger Nutzer bzw. die Haltbarkeit des Klebers ein Verschwinden der Korrekturzettel unterstützte. Insofern handelt es sich bei dem Exemplar im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien um einen besonders gut erhaltenen Pergamentdruck des Jahres 1517[11].